Mäzene, Investoren, Förderer, Wohltäter

Der Fussball kennt ständig mehr von ihnen und selten sorgen sie für positive Schlagzeilen. Immer mehr Klubs verschulden sich hoffnungslos oder verschwinden gar von der Bildfläche, weil sie in irgendeiner Art und Weise von einem Investor missbraucht oder fehlgeleitet wurden. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Gerade in der Schweiz läuft hierzu momentan grosses Kino. Gleich mehrere Klubs haben den Balanceakt nicht geschafft und sind ins Strudeln geraten – finanziell und juristisch gebeutelt von extravaganten Präsidenten. Den Super-GAU erwischte Xamax. Vielleicht fällt gar bald auch Servette. Da sieht es momentan jedoch zum Glück wieder etwas rosiger aus als auch schon. Dem Schweizer Fussball gehen Traditionsklubs verloren – nicht zum ersten Mal. Ein Verlust auf vielen Ebenen. Aber die Super League ist bei weitem nicht die einzige Liga, in der die Klubs finanzielle Schwierigkeiten haben.

Allen voran England und Spanien kennen diese Problematik sehr gut. Es betrifft lange nicht nur mittelklassige Vereine oder Kellerkinder, welche ums Überleben ringen. Im Gegenteil. Die Liste der Sorgenkinder ist lang und mit prominenten Namen überhäuft. Undenkbar müssten die gleich im Multi-Pack denn Gang in die Insolvenz antreten. Unter anderem Manchester United (800 Mio.), Chelsea (1.6 Mia.), Real Madrid (660 Mio.) oder Barcelona (549 Mio.) befinden sich auf dieser Liste und haben unglaublich hohe Schuldenberge angehäuft – Tendenz steigend. Diese Schulden kommen aus vielen Gründen zu Stande. Horrende Ablöse- und Lohnsummen, Investitionen in Stadien und Ausbildungszentren sowie stagnierende Sponsoring- und TV- Einnahmen bilden dabei wohl die gewichtigsten Punkte. Während sich die Einnahmen langsam auf einem konstanten Level einpendeln oder nur mässig wachsen, explodieren die Kosten seit Jahren. Es braucht keinen Doktortitel, um zu verstehen, dass dies auf die Dauer nicht funktionieren kann. Grund für die hohen Verschuldungen sind zum Teil auch die sehr fragwürdigen oder undurchsichtigen Buchhaltungen der Vereine.

Portsmouth FC

Beispiel dafür ist der FC Portsmouth. Im Jahre 2010 musste man Insolvenz anmelden. Dies nachdem der Klub innerhalb eines Jahres vier Mal den Besitzer wechselte. Die Langfristplanung wurde über Board geworfen und Stabilität war nicht nur in der Führungsetage ein Fremdword. Viele zentrale Spieler wie Jermaine Defoe, Glen Johnson, Nico Kranjcar oder Peter Crouch wurden verkauft, um kurzfristig an Geld zu kommen. Der Klub hatte keine Mittel mehr, um die Löhne zu zahlen und sah sich deshalb zu solchen Massnahmen genötigt. Regelmässig war man in Portsmouth abhängig von den TV Einnahmen. Als die Liga diese zu Beginn des Jahres 2010 zurückhielt, kam es beim Klub aus dem Süden Englands direkt zu Lohnausfällen. Dies rief den Staat auf den Plan, welcher schliesslich über ausbleibende Zahlungen klagte. Später berichteten Medien darüber, dass bei den Übernahmen durch die Investoren viel fragwürdig lief. So wurde der Übernahmepreis von 17 Millionen Pfund, welcher der saudische Investor Ali al-Faraj ausgab, um Portsmouth zu kaufen, kurzerhand als Schulden auf die Konten des Vereins überschrieben. Mit diesem Trick bewerkstelligte der Käufer die Irre Tatsache, dass der Verein sich selber kaufte und damit enorme Schulden anhäufte. Damit jedoch nicht genug. Jene 17 Millionen hat sich al-Faraj damals nur geliehen – von Balram Chainrai, einem weiteren Investor aus Hong Kong. Anscheinend sollen sich die beiden nicht ein einziges Mal getroffen haben, bevor sie das Geschäft abschlossen. Weil al-Faraj später nicht zurückzahlte, fiel der Klub automatisch in die Hände Chainrais. Als dieser bemerkte, dass Portsmouth mit ungefähr 135 Millionen Pfund verschuldet war, schickte er den Klub in die Insolvenz. Überlebt hat Portsmouth nach offiziellen Berichten deshalb, weil der frühere Besitzer Alexandre Gaydamak, welcher als Hauptkreditor noch immer über 32 Millionen Pfund von Portsmouth verlangte, sagte, man werde sich aussergerichtlich einigen. Der Klub existiert zwar heute noch, aber man befindet sich in Portsmouth nach wie vor in finanzieller Schieflage. Die Zukunft der Pompey’s ist alles andere als gesichert. Momentan steht der Klub ganz am Ende der Tabelle in der Championship. Ein Abstieg in die League One scheint unvermeidlich.

Portsmouth ist leider nur eines von vielen, traurigen Bespielen. Mäzene haben schon sehr oft Schaden angerichtet. Dafür verantwortlich sind oft undurchsichtige Übernahmedeals oder teure Spielerkäufe. Meist wird auf Klubkosten transferiert und nicht aus der Tasche des Besitzers bezahlt. Diese stehen einfach im Hintergrund als ‚Sicherheit‘ bei Zahlungsausfällen. Somit ist ihr finanzielles Risiko mässig bis gering und sollte es mal Probleme geben, können sie abspringen. Die Schulden bleiben beim Verein und das ganze Kartenhaus fällt in sich zusammen. Auffällig ist, dass bei den meisten dieser Gestalten die Herkunft des Geldes ungeklärt ist. Meist sind auch dubiose Gesellschaften mit Sitz auf den British Virgin Island oder Banken aus den Cayman Island und ähnlichen Bananenrepubliken involviert.

50+1 Regel

Wieso gebietet dieser ungesunden Entwicklung niemand Einhalt? Nun, dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen verlaufen die Geschäfte trotz vielen Unklarheiten rechtskonform und sind deshalb nicht zu verhindern, solange kein vorsorgendes Regelwerk geschaffen wird. In Deutschland kennt man dazu die 50+1 Regel, welche verhindert, dass ein Investor die Mehrheit der Aktien eines Vereins erwerben kann. Dies schützt die Klubs vor der Übernahme skurriler und unseriöser Gestalten – zumindest vordergründig. Dass Leute wie Dietmar Hopp bei Hoffenheim es indirekt trotzdem schafften, einen Klub unter ihre Finanzgewalt und Abhängigkeit zu bringen, war nicht verhinderbar. Zum Anderen sind die Vereine manchmal bereits in Schieflage, wenn sie gekauft werden. Die Führungsetagen verstehen oftmals wenig von ihrem Geschäft. Es wird versucht, im Rattenrennen um mehr Anteile am zu verteilenden Käse mitzuhalten und deshalb überschätzen sich manche. Ausbleibender Erfolg bei festem Einkalkulieren eben dessen, wird zur existenzbedrohenden Gefahr.

Solange der Verein von einem Geldgeber übernommen wird, welcher sich auch wirklich für Fussball und die Zukunft des Klubs interessiert, wäre eigentlich nichts gegen das Mäzenatentum einzuwenden – solange man über die entstehende Vermögensschere hinwegsieht. Nur handelt es sich bei diesen ‚guten Mäzenen‘ leider um seltene Glücksgriffe.

Sven Hotz

Gigi Oehri in Basel oder Sven Hotz in Zürich haben vorgemacht, wie das Modell des Mäzens erfolgreich umgesetzt werden könnte. Sie waren selbst Fan des Klubs und scheuten auch gelegentliche Verluste nicht. Rote Zahlen und der sprichwörtliche Erfolg um jeden Preis waren jedoch nie das Ziel. Einfach abzuspringen kam nicht in Frage. Dafür waren sie in der Region zu tief verwurzelt. Nicht jeder kann Mäzen werden. Dafür notwendig sind ein grosses Portemonnaie sowie ein dickes Nervenkostüm. Bei Figuren wie Tschagajew und Pishyar müssten jedoch die Alarmglocken auf Hochtouren läuten, sobald sich ihr Interesse auch nur anbahnt. Gerade bei diesen beiden brachte die Vergangenheit bereits komische Geschichten mit Fussball-Klubs hervor. Unterschiedlicher als Hotz oder Oehri könnten sie nicht sein. Man hätte sich durchaus die Frage stellen müssen, welche Anreize ein Iraner und ein Tschetschene haben, in der Schweiz einen Fussballklub zu kaufen. Feurige Anhänger dieser Vereine sind sie kaum. Ohne Bindung zum Klub und wenn sie erst einmal realisieren, dass kein Geld zu verdienen ist, springen sie ab. Irgendwie eine logische Schlussfolgerung, welche nun auch eingetreten ist. Das Unvermögen oder besser der Unwille dies im Vorfeld zu unterbinden, darf durchaus kritisch hinterfragt werden. Denn hinterlassen wird ein Scherbenhaufen.

Man ist nun auf sie reingefallen und kann die Geschichte nicht mehr zurückdrehen. Aber: Wie könnte man solche Fälle in Zukunft verhindern? Eine Lösung würde bestimmt die 50+1 Regel bieten, wie man sie in Deutschland kennt. In der Schweiz bieten sich jedoch die Rahmenbedingungen weniger an, eine solche Regel erfolgreich umzusetzen. Dies vor allem deshalb, weil die TV, Sponsoring und Zuschauer Einnahmen beträchtlich kleiner sind. Deshalb werden Schweizer Klubs mit fast schon strukturellen Defiziten konfrontiert. Schafft man es nicht regelmässig aus Transfers oder dem internationalen Geschäft Einnahmen zu generieren, gerät man bereits in Probleme. Ein reicher Besitzer, welcher diese Verluste abdecken kann, kommt deshalb nicht ungelegen – solange er dies nachhaltig macht. Nichts desto trotz dürfte verlangt werden, bei Eigentümerwechseln in Klubs genauer hinzuschauen. Gerade im Fall Tschagajew war sehr absehbar, was passieren könnte. Klubs würden besser daran tun, auf solche Gestalten zu verzichten und etwas kleinere Brötchen zu backen.

Das heutige Regelwerk greift offensichtlich zu kurz. Es muss etwas geschehen. Ein möglicher Lösungsansatz könnte sein, dass nur Schweizer einen hiesigen Klub erwerben können. Wenn dann doch ein ausländischer Staatsbürger Absichten einer Übernahme hegte, bräuchte er einen ortsansässigen und von der Liga genehmigten Leumund oder ähnliches, welcher bei falschen Entwicklungen korrigierend eingreifen oder die Handbremse noch rechtzeitig betätigen kann. Ansätze gibt es viele, den richtigen zu finden wird nun Aufgabe der Experten sein.

Es gibt kein Patentrezept, wie diese Problematik in Zukunft gelöst werden könnte. Jede Liga hat eine andere Ausgangslage, weshalb nicht blind ein System kopiert werden kann. Natürlich ist es einfach jetzt auf den Tisch zu hauen und eine Motzorgie loszutreten. Das ist hier nicht das Ziel und bringt auch niemanden weiter. Ein konstruktiver Dialog muss jetzt her. Eins ist jedoch klar. So weitergehen wie bisher kann es nicht. Es verfremdet nicht nur den Wettbewerb, sondern es macht auch die gesamte Tradition und Kultur eines Vereins und der ganzen Liga kaputt. Die SFL muss deshalb reagieren und wird hoffentlich bald Lösungen präsentieren können.

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