Präsident und Sonnenkönig – Danke Walter Stierli

Auf in die Zukunft

Der FC Luzern bleibt in Bewegung. Ein weiterer gewichtiger Personalentscheid wurde diesen Mittwoch gefällt. Walter Stierli tritt per Ende Saison 2011/12 als Verwaltungsratspräsident der FC Luzern-Innerschweiz AG zurück. Damit enthebt er sich bereits ein Jahr früher als angekündigt seines Amtes und tritt einen Schritt kürzer. Als Investor und Verwaltungsratspräsident der Löwen Sport und Event AG, wird Stierli dem FCL in unterstützender und beratender Funktion weiterhin erhalten bleiben. Es ist ein guter Moment für einen Schnitt – obwohl etwas zu spät und mit zu viel Scherben. Aber immerhin, er ist jetzt weg. Stierli hat spätestens diese Saison definitiv zu stark gerudert und meist nur reagiert, statt zu agieren. Er scheint dies nun wohl selbst eingesehen zu haben, weshalb sein Entscheid unter dem Druck von Sponsoren von unerwartet realitätsbezogener Beurteilung der Situation zeugt.

Der designierte Nachfolger Mike Hauser

Mit Mike Hauser ist ein kompetenter und motivierter Nachfolger in den Startlöchern. Die Organisation wird nicht auf den Kopf gestellt und ihren Weg wie bis anhin weitergehen. Gewisse unprofessionelle Äusserungen dürften in Zukunft jedoch nicht mehr vorkommen. Davon zeugt bereits ein erstes kompetentes Interview mit Hauser.

Walter Stierli wurde in seiner Amtszeit viel kritisiert. Gerade in den letzten Monaten hatte der Druck auf ihn nochmals immens zugenommen. Der FC Luzern war ständig mit Negativschlagzeilen in der Presse anzutreffen. Die Bandbreite reichte vom Disput mit den Fans bis hin zu ständigen Wechselgerüchten um Murat Yakin. Dabei hat sich Stierli mit seinen Entscheidungen und Aussagen bei den Supportern zum Abschluss nicht viele Freunde gemacht. Es würde seinen Leistungen jedoch nicht gerecht werden, die ganze Arbeit auf einige wenige Geschehnisse zu reduzieren. Schaut man sich das Gesamtbild der Ära Stierli an, so kann er stolz sein auf das Erreichte und die Fans dürfen (wenn sie denn wollen) ihm dankbar sein. Dieser Text soll sich deshalb nicht mehr mit den Kritikpunkten aus der Epoche Stierli befassen, darüber wurde bereits genug geschrieben und diskutiert. Es ist an der Zeit, dem Mann einen würdevollen Abgang zu bereiten. Schliesslich hat er in Luzern viel erreicht und bewegt.

 

Reichen wir die Hand für einen fairen Handschlag zum Abschied

 

Als Kapitän eines lecken Schiffes hat er 2005 angefangen und man darf behaupten, dass das Schiff FCL in einen sicheren Hafen eingelaufen ist. Nicht unter Posaunen und Trompetengeheul, aber solid und sicher. Das Gesamtergebnis spricht daher für Stierli’s Arbeit. Immerhin hat er den Klub von der Challenge League an die Spitze der Super League geführt, die finanzielle Gesundung vollzogen und ein neues Stadion hingestellt. Dass man über sieben Jahre nicht mit all seinen Entscheiden zufrieden sein kann und deshalb teilweise Unzufriedenheit aufkam, ist klar. Das liegt jedoch in der Natur der Sache. In einem Fussball-Verein, wo die sozio-kulturelle Welt der Fans auf die ökonomische Welt des Business trifft, sind Differenzen unvermeidbar – dies lässt sich in jedem Klub beobachten. Wenn dann halt leider in der internen und externen Kommunikation geschlampt wird und überhastete Entscheide und Aussagen gemacht werden wie in den letzten Monaten, dann ist die Kritik auch berechtigt und die Ereignisse können sich überschlagen. Lässt man die Emotionalität aussen vor, kann man aber festhalten, dass es schlussendlich für beide Seiten eine Bereicherung sein kann, wenn Missstände aufgedeckt werden. Möge dies manchmal auch schmerzhaft sein. Auf Klub- und Fanseite hat sich in dieser Saison nochmals extrem viel getan, was nicht nur Schlechtes mit sich brachte. Die aktuell grosse Bewegung in der Fanszene ist zwar nicht Stierli’s Verdienst, der Umgang, das Engagement und die Auseinandersetzung mit den Problemen wurde jedoch wegen ihm intensiviert. Das grosse Herzblut vieler blau-weisser wurde dadurch sichtbar gemacht. Die Anliegen werden vertreten und haben mobilisiert. Nicht zuletzt diese Plattform, als kleines Mosaik einer grossen Bewegung, ist erst dadurch entstanden. Die Fans werden hoffentlich in der Lage sein, das Gesamtbild nicht aus den Augen zu verlieren – Sympathien hin oder her. Walter Stierli durfte ja musste in einzelnen Aktionen und für gewisse Aussagen heftig kritisiert werden. Dafür sind die Fans da. Man darf sich nicht blind alles gefallen lassen. Als Gesamtes sind wir in Luzern jedoch weiter gekommen. Der Verein und die Fans haben sich entwickelt und stehen heute an einem anderen Punkt als noch 2005. Das ist schlussendlich das Wichtigste. Dies wurde teilweise vergessen und man zog nicht mehr am gleichen Strick.

Jetzt aber gibt es einen Cut und somit einen Neuanfang. Man kann sich neu orientieren und alte Geschichten begraben. Wer Charakter und Grösse hat, kann über gemachte Fehler hinwegsehen und steht der Zukunft offen und positiv gegenüber. Nur gemeinsam sind wir stark!! Vielleicht ist es für viele noch zu früh, aber mit etwas Distanz wird man hoffentlich feststellen, dass es dem Verein heute sehr gut geht und vieles davon der Führung zu verdanken ist, welcher auch Stierli angehörte. Es darf deshalb gehofft werden, dass die grosse Mehrheit der Fans dies auch würdigen wird und Stierli einen Abschied mit Anstand bereitet. Auch ich bin ein grosser Kritiker Wauti’s und verlor zum Schluss den Glauben an ihn. Sein Rücktritt beweist aber, dass er das Beste für den FCL will und nicht nur ein persönliches Schaufenster anstrebt. Wir meckern in Luzern momentan auf hohem Niveau. Immerhin befindet sich der FC Luzern aktuell auf Platz zwei der Super League und im Cup-Final. Klar ist diese Saison speziell, aber wir sind heute an einem Punkt, daraus Profit schlagen zu können, während in den letzten Jahren ein Platz 2 auch in einer solchen Saison nicht drin gelegen wäre. Mehr als in dieser Saison haben wir schon seit Jahren – ja Jahrzehnten – nicht mehr erreicht. Lasst uns dies in den Fokus rücken. Einen Abgang mit Respekt und Würde hat der Mann verdient, welcher über sieben Jahre Zeit, Geld und Herzblut aufwendete, diesen Verein zu führen und auf eine gute und solide Spur zu stellen. Darum:

DANKE WALTER STIERLI UND ALLES GUTE!!

Adieu Walter Stierli - Ein Blau-Weisser

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