Saison-Rückblick: Die Trainer – vom Karussell zum Gruselkabinett

Das Trainer-Business: Vom Karussell…

Man kennt das Trainerbusiness ja als nicht sehr geduldiges Geschäft. Aber was diese Saison in der Super League auf den Trainerstühlen so abging, hatte dennoch Seltenheitswert. Kein einziger der jetzigen Cheftrainer war bereits in der Saison 2010/2011 im Amt. In sämtlichen zehn Super League Klubs gab es zu Beginn oder im Laufe dieses Fussballjahres mindestens einen Trainerwechsel. Hysterie statt Konstanz. Sicherlich kein Modell für die Zukunft.

Seit Saisonbeginn im Amt sind einzig noch Murat Yakin und Bernard Challandes. Beides Trainer, welche über ihren Verbleib bei den Vereinen in nächster Zukunft selbst Fragezeichen aufsetzen. Challandes unterschrieb zwar erst kürzlich bei Thun für ein weiteres Jahr. Er wollte nach eigenen Angaben jedoch keinen längeren Kontrakt unterzeichnen, da er sich offen halten möchte, nochmals eine Auswahl zu trainieren. An welchen Posten er dabei konkret dachte, muss spekuliert werden. Ottmar Hitzfeld steht momentan jedenfalls nicht zur Disposition. Und selbst wenn wäre es höchst fraglich, ob Challandes als potentieller Kandidat in Frage käme. Vielleicht möchte er ja auch in die Jugendabteilung zurückkehren und würde ein Angebot des Verbands deshalb wohl kaum ablehnen.

Murat Yakin ist der andere Trainer, welcher seit Saisonbeginn noch im Sattel sitzt. Jedoch gibt auch er Rätsel auf. Während er bei den Luzernern zwar sehr erfolgreich ist, wird ihm ständig das Interesse bei anderen Klubs in den Mund gelegt. Ob Basel, GC, Zürich, Sion oder YB – Yakin wurde bereits überall gehandelt. Zweifelsohne ein Kompliment für seine tolle Arbeit. Er selbst hält es jedoch nicht für nötig, diese Diskussionen zu beenden und ein klares Bekenntnis pro-FCL zu machen. Das lässt die Gerüchteküche natürlich munter weiter spekulieren. Die guten Trainerposten in der Super League sind nun vorläufig aber alle besetzt und es scheint somit klar, dass Yakin die nächste Saison beim FCL in Angriff nehmen wird. Wie lange er da noch bleibt, ist jedoch ungewiss. Seine Erfolge blieben auch im Ausland nicht unbeachtet. Ein Wechsel in die Bundesliga ist deshalb nicht total unrealistisch.

Rückblick: Spezialfälle YB, Zürich, Sion, Servette und Xamax

…zur Gruselachterbahn

Aber nicht nur die Trainerentlassungen, auch der Umgang mit den entstehenden Situationen war einmalig und teils ungewöhnlich. Die Ausnahme bekam zur Regel. Die Lage bei YB, Zürich und dem FC Sion verhielt sich über Wochen kurios. Während der FCZ mit Rolf Fringer zwar schon viele Spieltage vor Ende der Saison einen neuen Chef-Coach verpflichtet hatte, so verfolgte er die Spiele doch nur auf der Tribüne und hielt sich von der Trainerbank noch fern. Gecoacht wurde das Team bis Ende Saison durch die Interimslösung Meier-Gämperle. Es passt zum Bild des Stadtzürcher Fussballjahres. Dieses war viel eher von Durchhalteparolen und Trotzreaktionen, denn von Taten auf dem Platz oder Kampfwille geprägt. Wieso einfach, wenn es auch kompliziert geht? Für Fringer allerdings vermutlich der ideale Nährboden, um seine Arbeit zu beginnen. Er ist bekannt für seine Feuerwehrmannqualitäten. Mit dem FCZ lässt es sich kaum noch tiefer sinken, was den Ansprüchen für nächste Saison und somit Fringers Arbeit sicherlich zuträglich sein wird.

Auch bei YB griff man notgedrungener massen auf eine Zwischenlösung zurück. Nach dem fast schon unsäglich langen heraus zögern einer Entlassung des Star-Trainers, rangen sich die Verantwortlichen nach etlichen Wochen der Geduld kurz vor Saisonende zu einem etwas unpassenden Moment doch noch zur Entlassung von Gross durch. Piserchia und Häberli leiteten über die letzten Wochen die Geschicke bei den Hauptstädtern. Vor einigen Tagen wurden die Spekulationen um die Nachfolge des wenig beliebten Zürcher Trainers dann mit der Vorstellung von Martin Rueda beendet. Gross scheint das Vertrauen in ihn jedoch nicht zu sein, wurde er doch nur mit einem Einjahresvertrag ausgestattet. Er selbst sieht dies als Ansporn und will den Zuspruch von Klubführung und Fans durch die Leistungen auf dem Platz erhalten.

Ganz untypisch präsentierte sich die Lage über lange Zeit in Sion. Trotz juristischer Querelen verblieb Coach Roussey stabil im Sattel. Fast hätte man sich an die Langeweile in der Walliser Einöde gewöhnt. Irgendwann traten die Turbulenzen dann aber doch wie gewohnt zu Tage. Die Liaison zwischen Constantin und Roussey endete trotzdem ganz untypisch. Schliesslich wurde Roussey nicht wie sonst üblich von CC in die Wüste geschickt, sondern der Trainer selbst beendete den Kontrakt frühzeitig. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Walliser ihrem Ruf wieder vollends gerecht und veranstalteten ein totales Chaos. Erst scheiterte eine Trainerverpflichtung an fehlenden Diplomen, worauf Constantin kurzfristig gar selbst auf der Bank Platz nahm. Die schliessliche Übergangslösung Petkovic hat zwar für die Barrage bestens funktioniert, der kroatisch-schweizerische Doppelbürger zog es aber verständlicherweise vor, bei Lazio Rom zu unterschreiben, anstatt auf dem Schleudersitz im Rhone-Tal Platz zu nehmen. Nun ist auch seine Nachfolge geregelt. Der Ex-Internationale Sébastien Fournier bekommt die zweifelhafte Ehre, Sion für die nächsten Tage/Wochen/Monate zu coachen.

Kurios ging es auch in Genf zu und her. Erst wurde Alves wegen Problemen mit Ex-Präsident Pishyar vor der Winterpause trotz guten Resultaten entlassen. Wegen ausstehenden Lohnforderungen wurde er danach aber aus finanziellen Gründen von der neuen Klubführung wieder zurückgeholt. Pikant – die Mannschaft hat unter seiner Leitung wieder zu alter Stärke gefunden und 13 Punkte in 5 Spielen ergattert. Damit wurde gar die Qualifikation für die Europa League geschafft.

Über die Trainersituation bei Xamax lohnt es sich gar nicht erst eine Analyse zu beginnen. Da wussten wohl die Verantwortlichen selbst kaum noch, wer jeweils gerade an der Seitenlinie stand.

Ausblick: Und wie wird’s in der Saison 12/13?

Wenn man bedenkt, dass all diese Eskapaden einzig und allein die Trainer betrafen und von den restlichen Skandalen dieser Saison noch kein Wort erwähnt wurde, sollte man doch etwas nachdenklich werden – auf allen Stufen des Geschäfts. Schnelllebigkeit hin oder her – ein solches Chaos ist schlicht unprofessionell. Ein Haufen hysterischer Batteriehühner könnte wohl noch mit mehr Klarheit und Sachverstand durch eine Saison finden.

Klar ist, so kann es nicht weitergehen. Dass es immer wieder mal Wechsel auf der Trainerbank gibt, gehört akzeptiertermassen zum Geschäft. Den Trainer auszuwechseln bildet nach wie vor die billigste Sofortmassnahme, welche ein Klub vollziehen kann. Aber wenn am Ende der Saison nur noch 20% der Trainer angestellt sind, welche zudem noch offen vom Abgang träumen, dann ist das definitiv zu viel Rotation. Aber auch die nächste Saison verspricht wieder Spannung bezüglich Trainer. Die Aussichten auf Konstanz sind leider eher düster.

Interessant dabei ist, dass sich im Trainer-Business ganz allgemein momentan ein Paradigmenwechsel zu vollziehen scheint. Sehr viele junge Trainer erhalten die Chance, einen Klub zu übernehmen. Ein Modell, welches durchaus zukunftsträchtig ist und vielleicht Abhilfe schaffen könnte. Was es heute braucht, ist der Kumpel-Typ. Dies hat unter anderem Benjamin Huggel vor ein paar Wochen bei einem Interview auf SF festgehalten. Die alten Bosse, welche wie Gross keine Widerrede dulden, gehören der Vergangenheit an. Ihre Leistungsausweise in den letzten Jahren sind denn auch schlecht bis sehr schlecht. Die Klubs sind daher gut beraten, sich vorab Gedanken zu machen, was sie den wirklich für einen Trainertyp suchen und brauchen. Gerade bei einem Team wie Basel, wo es im Kader bereits Leithammel gibt, braucht der Coach nicht mit Autorität aufzutrumpfen. Umgekehrt könnte Autorität mit jungen Mannschaften wie GC oder dem FCZ eventuell eher zum Erfolg führen. Für was man sich auch immer entscheiden mag. Etwas mehr Konstanz und Vertrauen in die eigenen Trainer würde in Zukunft sicher nicht schaden. ‚Ich habe fertig‘.

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